Wie aus Schülern "Eltern" wurden! Das Patenschafts-Projekt der 8. Klassen

Im Rahmen eines Projekttages zeigte Herr Höpfl im Februar 2000 den vier 8. Klassen seinen selbst gedrehten Film über „Unsere Schule auf dem Dach der Welt“ in Manang/Nepal. Im Anschluss erzählte Herr Höpfl von der „Lophelling Tibetan Boarding School“ „Erwachender Geist“; diesen Namen hatte der Dalai Lama persönlich der 1998 eingeweihten Schule verliehen.

Über 70 tibetische Flüchtlingskinder und Nepali-Kinder besuchen jetzt diese Schule. Viele dieser Kinder haben ihre Paten-Eltern im Raum Schongau. Entwicklungshilfe, das ist ab sofort kein theoretischer Begriff mehr für unsere Schüler. Es wird nicht der Ruf nach mehr staatlicher oder kirchlicher Hilfe laut. Entwicklungshilfe wird ab sofort ein lebendiges Projekt: „Wir wollen ein eigenes Kind“ – so widersprechen die vier 8. Klassen ihren skeptischen Lehrern, die nicht glauben wollen, dass jede einzelne dieser vier Klassen für ein eigenes Patenkind den Schulbesuch finanzieren will. Mit Bildung, so sind sich die Schüler sicher, kann man den Teufelskreis der Armut und Hoffnungslosigkeit, Kinderarbeit und Krankheit, ... durchbrechen.

„Unsere Kinder“ Tashi Lobsang (geb. 1990, Patenkind der Klasse 8a), Samten Dolma (geb. 1993, Patenkind der Klasse 8b), Suman Gurung (geb. 1994, Patenkind der Klasse 8c) und Karma Dhondup (geb. 1993, Patenkind der Klasse 8d) gehen jetzt in die Schule, nahe dem kleinen nepalesischen Bergdorf Manang in 3.350 m Höhe, immer noch viele Tagesmärsche von jeder größeren Siedlung entfernt. In nur 10 bis 20 km Entfernung ragen im Süden die mächtigen Gipfel des Annapurna-Massivs als Hausberge empor: Gangapurna (7.454 m), Annapurna III (7.555 m), ... bis hin zum Annapurna I (8.091 m). Durch das bewundernswerte Engagement unserer Schüler können nun vier Kinder wieder Hoffnung schöpfen. Zwei Kinder sind tibetische Flüchtlingskinder, deren Land 1951 von der chinesischen Regierung annektiert wurde. In tagelangen entkräftenden Märschen waren viele Kinder über mehr als 5000 m hohe Pässe im Himalayagebirge aus Tibet geflüchtet; dort, wo sie die Sprache ihrer Eltern nicht mehr erlernen und sprechen dürfen.

Mit primitivsten Mitteln und Werkzeugen haben es die Nepali und Tibeter gemeinsam geschafft, im nepalesischen Manang ein Schulgebäude zu errichten. Die tatkräftige Unterstützung und finanzielle Hilfe des Schongauers Erwin Höpfl bot hervorragende Voraussetzungen. Jedes einzelne Brett muss dort mit einfachen Handsägen aus dem Baumstamm gesägt werden. Die Wandtafel weist enorme Unebenheiten auf. Die Unterrichtsmaterialien sind äußerst einfach. Im monotonen Sprechgesang werden englische Vokabeln, Mathematik und andere Schulweisheiten eingeübt. Mit nur 50.- DM im Monat können wir den Schulbesuch eines unserer Kinder finanzieren, inklusive Unterkunft im primitiven „Internat“, ebenso die einfache Verpflegung!

Wo Deutschland und gar Schongau liegt, ist den 5-10-Jährigen unbegreiflich. Das ist auch egal. Aber sie können jetzt Hoffnung schöpfen mit ihrer einfachen Ausbildung. Später wird der eine oder andere vielleicht eine höhere Schule in Kathmandu, der Hauptstadt Nepals, besuchen. Sie gehören jetzt bald zu der gebildeten Minderheit, die nicht mehr Analphabeten sein müssen, im Gegensatz zu den 72% ihrer Mitmenschen in Nepal, einem der ärmsten Länder der Erde. Sie schreiben uns Briefe in einfachem nicht ganz fehlerfreiem Englisch. Aber was spielt das für eine Rolle. Unsere Schüler haben auch Probleme. Probleme einfache Worte zu finden, ohne grammatikalisch komplizierte Formen, damit ihre Briefe in Manang auch verstanden werden. Es ist ein besonderer Tag – hier wie dort – Post aus so fernen Regionen zu empfangen. Wir staunen über die fein säuberlich gemalten tibetischen Schriftzeichen. Nur circa acht Flugstunden, aber trotzdem zusätzlich noch Fußmärsche von fünf bis sechs Tagen Dauer entfernt, staunen Schüler und Lehrer über die Klassenfotos aus dem „futuristischen“ Schongauer Schulgebäude. Das Schongauer Lehrerkollegium ließ sich durch den äußerst engagierten freiwilligen Einsatz ihrer Schüler anstecken. Es hat mit großer Spendenbereitschaft die Patenschaft eines Lehrers an der Lophelling School übernommen. Mit ca. 2.000 DM Einkommen, im Jahr natürlich, kann Herr Ngawang sich, seine Frau und seine beiden Kinder gut versorgen. Wir Schongauer Lehrer hätten Schwierigkeiten für unsere Schüler aus einem frisch geschlachteten Yak Blutwürste zu produzieren. Doch in Nepal gehört auch dieses besondere Ereignis zum Schuljahr, aber nur dann, wenn hoher Besuch aus Schongau kommt.

Ganz deutlich zeigt sich, dass durch den persönlichen Bezug zu Menschen, deren Leben und Schicksal für uns nicht mehr anonym ist, eine enorme Hilfsbereitschaft entstanden ist. Nur so kann ich mir erklären, dass wir Schüler und Lehrer in nur einem Schuljahr ca. 5.000.- DM zusammengebracht haben. Bei diesem Projekt können wir natürlich auch sicher sein, dass jede Mark, jeder Pfennig, ohne teuren Verwaltungsaufwand, zu 100% sein Ziel erreicht. Allen Schülern, Eltern, Kollegen und sonstigen Spendern vielen Dank oder, wie es auf Nepali heißt: TASHI DELEK ! Dies gilt auch für meine Erdkunde-Kollegin Frau Michaela Kaspar, die sich mit ihren Klassen immer an allen Aktionen tatkräftig beteiligt hat! Wir hoffen, dass diese Patenschaften – für Kinder und Lehrer – finanziert durch freiwillige Spenden und Aktionen, möglichst lange bestehen werden. Um unsere „Schüler-Paten-Eltern“ nicht zu sehr zu belasten, wäre es schön, wenn möglichst viele Schüler, jeweils aus der 8. Jahrgangsstufe – im Rahmen des Erdkunde-Jahresthemas: Entwicklungsländer – sich freiwillig für nur ein Schuljahr an diesem Projekt beteiligen. Wolfgang Martin N.B. Sollten Sie sich mehr interessieren: Sie können sich gerne den Film „Unsere Schule auf dem Dach der Welt“ ausleihen.

Sollten Sie helfen wollen: Die freiwilligen Spendengelder von Schülern, Lehrern und Gönnern werden auf dem Konto 524 11 79 bei der Kreissparkasse Schongau unter dem Motto: Schongauer Schüler helfen Nepal gesammelt und dann auf das Konto des Freundeskreis. Tibethilfe und Lophelling Schule, weitergeleitet (Sparkasse Schongau Kto: 5295720; BLZ 73451450)